Bautagebuch – Richtfest

Richtfest Also zuerst hatte ich mal den Gedanken, das Richtfest einfach ausfallen zu lassen, ich dachte mir, dass die Zimmerleute doch sowieso nach Fertigstellung des Daches weiterwollen und keine Zeit zum Feiern haben, von außerhalb kommen und deshalb fahren müssen und nichts trinken können. Aber als ich das so sagte, kam ein vielfacher Aufschrei, dass es ohne Richtfest nicht ginge, da so kein Segen über das neue Haus käme und der alten Tradition nach ein Besen an den First genagelt würde. Das wollte ich dann nun auf keinen Fall, also habe die nächsten Nachbarn und alle potentiellen Helfer im Freundeskreis zur Besichtigung eingeladen. Wir stiegen alle aufs Dach, der Zimmermann brachte den Richtbaum an, dann gab’s einen Schluck Sekt, er brachte den Richtspruch und ich musste den letzten Nagel einbringen. Habe 9 mal danebengetroffen. Fürs erste Mal wohl nicht ganz so schlimm. Das Richtfest war noch in vollem Gange, da griff sich Reiner schon wieder die Maurerkelle und begann, mit Micha den Schornstein bis zum First hoch zu mauern, der ja bis dahin nur bis zur Zimmerdecke hochgezogen war. Jetzt fehlen nur noch 3 Steine obenauf, wo sie nicht mehr herankamen, also warten wir auf die Dachdecker.

Aufgrund der hohen Nachfrage hier der Wortlaut des Richtspruches:

Dem Bauherrn zur Ehre!
Wir bauten in sehr kurzer Zeit
ein schönes Haus für nette Leut.
Wir bauten mit Kran und auch ohne,
und trotzdem hängt die Richtekrone.

Der Bauherr hat den First erklommen,
den Hammer in die Hand genommen.
Wir alle sind nun ganz gefasst,
ob der letzte Nagel passt.

Doch vorher schenk er einen ein,
denn Zielwasser muss sein.
Nun schlage endlich drauf,
alle warten längst darauf!

Jeder Schlag, der daneben geht,
als Runde dann zu Buche steht.
Er hat’s geschafft mit voller Kraft!
Ein Hoch auf die Bauherrenschaft!

Nun wünschen wir für alle Zeit
den Bewohnern des Hauses Schutz und Freud
vor Feuer, Wasser, Sturm und Wind
und Leuten, die nicht willkommen sind.

Alles Glück der Welt – Eure Zimmerleut!